Der Geist des Athos

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Fußweg nach Pantokratoros
Fußweg nach Pantokratoros

Die alten Steine unter den Füßen. Die Athospfade, eine Jahrtausendgeschichte. Aufstieg und Abstieg. "Immer war Mühe", aber so sei das Mönchsleben, sagt schon Altvater Johannes Kolobos in den Apophthegmata Patrum, den Vätersprüchen

Athos Heiliger Raum

Der Bewohner des heiligen Berges verdankt alles, was er an geistlicher Reife erlangt, dem Gebet. Das Gebet begleitet ihn bei Tag und Nacht, es ist nicht nur Atem seiner Seele, sondern auch Erholung für seinen Leib. Er betet ständig, ob er geht, ministriert, arbeitet oder sich von der Tagesarbeit erholt, so dass er von sich sagen kann: „Ich schlafe, aber mein Herz wacht.“ Das unaufhörliche Gebet ist nachts in der Einsamkeit der Zelle besonders intensiv. In der Zeit, da alles zur Ruhe geht und sich von den Tagessorgen erholt, beten die Engel am Thron des Herrn. Die Bewohner des heiligen Berges gleichen hier auf Erden den Engeln, die für ihre Brüder, für die Welt und ihr Wohlergehen eintreten. Sie beten für die Rettung der Menschen.

Altvater Joseph von Vatopedi

Kerzen vor Ikone

Eines Tages, während des Abendgottesdienstes, betete ich vor der Ikone des Heilands, indem ich auf das Bildnis schaute: „Herr Jesus Christus, erbarme dich über mich Sünder.“ Bei diesen Worten erblickte ich an Stelle der Ikone den lebendigen Herrn, und die Gnade des Heiligen erfüllte meine Seele und meinen Leib. Im Heiligen Geist erkannte ich, dass Jesus Christus Gott ist, ... Von dieser Zeit an brannte meine Seele in der Liebe zu Gott. Nichts Irdisches erfreut mich mehr. Gott ist meine Wonne und meine Stärke, er ist meine Weisheit und mein Reichtum.

Hl. Starez Siluan vom Berg Athos, Panteleimonos

Abendstille in Simonas Petras
Athos Stille in Simonas Petras

Was ist das Gebet? Es ist das Gefährt der Seele, die Atmosphäre, in der die Seele lebt. Warum sind wir ins Kloster gekommen? Genau deshalb, weil das Kloster die Atmosphäre des Gebets ist. Hier ist alles auf das Gebet ausgerichtet. Wenn dies Gebet nicht stattfindet, wie ist es möglich, dass wir jemals glückliche Menschen und mehr noch, geistliche Menschen werden? Das rechte Gebet ordnet alles: Unsere Schwierigkeiten, Probleme, Ängste, Sünden … Sogar Wunder vermag es zu bewirken: auf unserem Weg, in unserem Kampf und in unserem Leben.

Archimandrit Aimilianos von Simonos Petras

 

 

Pilger auf dem Balkon von Xenophontos

Weil die Menschen stolz auf ihre Intelligenz sind, gibt der Herr sich nicht vielen von ihnen zu erkennen, aber trotzdem glauben sie, viel zu wissen. Aber was ist wissenswert, wenn sie den Herrn nicht kennen, wenn sie die Gnade des Heiligen Geistes nicht kennen, wenn sie nicht wissen, wie sie kommt und warum man sie verliert?


Hl. Starez Siluan vom Berg Athos, Panteleimonos

Abendstimmung in Stavronikita

Vor allem erkenne dich selbst. Denn nichts ist schwieriger, als sich selbst zu erkennen, nichts mühevoller, nichts verlangt mehr Arbeit. Doch wenn du dich selbst erkannt hast, dann wirst du auch Gott erkennen können.

Unbekannter Mönchsvater, 3. Jhd.

Wenn euch eine schöne Landschaft begeistert, ein Kirchlein, irgendetwas Schönes, so bleibt nicht stehen dabei, sondern geht darüber hinaus zur Doxologie, zum Lobpreis Gottes für alles Schöne, damit ihr IHN erfahrt, den allein Schönen …

Altvater Porphyrios von Kavsokalývia

Pantokrator von Theophanes dem Kreter in Stavronikita

Herr und Gebieter meines Lebens:
befreie mich vor dem Geist
der Trägheit und der Leichtfertigkeit,
des Stolzes und der Geschwätzigkeit.
Gewähre stattdessen deinem Diener
den Geist der Besonnenheit und der Demut,
der Geduld und der Barmherzigkeit.
Allmächtiger Gott und Herr,
lass mich meine eigenen Sünden erkennen
und nicht über meinen Bruder urteilen!
Denn gepriesen bist du in alle Ewigkeit!
Amen. ……

Bußgebet des Hl. Ephräm des Syrers (gest. 373)

Athos Pantokratoros

Quellen:

  • Bonifaz Miller (Hrsg.): Apophthegmata Patrum. Weisung der Väter. - Abbas Johannes Kolobos (352), Paulinus- Verlag, Trier 1986, S. 125.
  • Archimandrit Joseph: Das ständige Gebet. In: Stimme der Orthodoxie. Berlin, April 1979, S. 64.
  • Archimandrit Sophronius (Hrsg.): Starez Siluan. Mönch vom Berg Athos. - Bd. II, Die Schriften, Patmos Verlag, Düsseldorf 1993, S. 21 und 126f.
  • Archimandrit Aimilianos von Simonopetra: Geistliches Leben. Indiktos Verlag, Athen 2013, S. 48.
  • Regina Bäumer/Michael Plattig: Aufmerksamkeit ist das natürliche Gebet der Seele. Geistliche Begleitung in der Zeit der Wüstenväter. (hier das Zitat des unbekannten Mönchsvaters) Echter Verlag, Würzburg 1998, S. 87.
  • Kloster des Hl. Johannes des Vorläufers (Hrsg.): Heilige Väter der Gegenwart. Altvater Porphýrios, Chania, Kreta 2007, S. 375

Textzusammenstellung von Diether Wegener